Bei dem Realisierungswettbewerb zu Umbau und Erweiterung der denkmalgeschützten Betriebsgebäude an der Einsteinstr. 28 für die Münchner Volkshochschule konnte das Team von Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten und Raupach Architekten den ersten Preis erlangen. Mit dem künftigen Bildungszentrum der Münchner Volkshochschule wird für den Gebäudebestand der ehemaligen Trambahnbetriebe ein neues architektonisches Gesamtkonzept entwickelt.
Mit der Sanierung und der Erweiterung entstehen zwei offene und frei zugängliche „Lernorte“, in denen sich klar strukturierte Neubauten mit dem denkmalgeschützten Bestand zu einem neuen Ganzen zusammenfinden. Ein wichtiges Entwurfsziel war es, das umfangreiche Raumprogramm auf zwei Gebäude zu verteilen, so dass der gesamte Hofbereich freigestellt und ihn in einen attraktiv gestalteten Kommunikationsbereich umgewandelt werden kann.

Die Aussenraumgestaltung trägt dabei der architektonischen Idee, die historischen Fassaden in ihrer Wirkung zu bewahren und die Funktionen nach Innen zu orientieren Rechnung. Die Eingangssituation ist offen und einladend gestaltet und deutlich visuell erlebbar. Der Hof selbst untergliedert sich in einen öffentlichen Bereich der als multifunktionaler Treffpunkt fungiert, und einen ruhigen, grünen Aussenbereich der Kindertagesstätte. Verbunden wird beides durch eine zusammenhängende, angenehme Ästhetik verbunden und akzentuieren Ort und Wertigkeit des Gebäudes.
Die Funktion der Räume des Alt- und Neubaus definiert durch Tanz, Bewegung, Meditation und Entspannung soll sich auch im Außenraum der Gebäude wiederspiegeln. Aus diesem Grund wird die Freianlagengestaltung des neuen Bildungszentrums in der Einsteinstraße durch weiche Linienführungen und elegant schwingende Formen dominiert. Ein mäandrierendes Band akzentuiert den Hofbereich. Dieses zieht die Besucher von der Einsteinstraße aus ins Innere des Hofes und teilt dort den Raum in unterschiedliche Funktionsbereiche.
Während der Eingangsbereich des Hofes durch Bewegungen dominiert wird und die Funktionen Parken für Rad und PKW aufnimmt sowie als Treffpunkt und Zugang zum Vortragssaal dient, wird der dahinterliegende Raum als Aufenthaltszone definiert. Eine vorgelagerte Cafe´-Terrasse in ovaler Form lehnt sich an die Bandstruktur. Akzentuiert und beschattet wird der Terrassenraum durch einen grazilen Japanischen Perlschnurbaum (Sophora japonica), der gerade zur Hochsaisonzeit in langen cremeweißen Rispen blüht und im Herbst attraktive Hülsen an langen Trieben perlenartig trägt.
Der hintere Hofbereich wird hauptsächlich als Freibereich der Kindertagesstätte genutzt. Die Bandstruktur, die im vorderen Planungsareal aus einem geschliffenen Gußasphalt besteht, eingebettet in Ortbeton mit Besenstrichoptik, verwandelt sich im Rückraum zu einer Heckenstruktur, welche den Spielbereich von einer attraktiven Sitznische, einen Rückzugsraum für Besucher, trennt. Zahlreiche Bänke unter feinfiedrigen Vegetationsstrukturen laden zum Verweilen und Entspannen ein. Kupfelfelsenbirnen, Amelanchier lamarckii, bilden nicht nur im Frühjahr und im Herbst Blüh- und Farbakzente im Hofareal, sondern werden auch auf dem Dachgarten im Einschnittsbereich des Neubaues verwendet sowie im südlichen Innenhof. Hier bleibt der wilde Wein entlang der Brandwand erhalten, Trockenstauden wechseln sich mit Kiesflächen und bedecken den gesamten Hofraum.
Hin zur Schlossstraße entwickelt sich hinter der bestehenden und zu erhaltenden Zaunanlagen einen Senkgarten hin zum Untergeschoß. Dieser gewährleistet den natürlichen Lichteinfall und wird wie der gesamte Planungsraum mittels bewegter Bandstrukturen aus verschiedensten Bodendeckern und Blühstauden gestaltet. Kleinkronige, mittelhohe japanische Zierkirschen (Prunus serrulata) gliedern sich entlang des Böschungskopfes und verleihen dem Betrachter nicht nur im Frühjahr ein besonderes Erlebnis.


