Partizipation ist das Phänomen unserer Zeit. Sie bezeichnet vielfältige, interaktive Prozesse zwischen den Beteiligten eines Projekts z.B. zwischen Politikern, Planern und Bürgern. Die konventionellen Mittel der Partizipation beschränken sich auf die gesetzlich geregelten Verfahren zur Beteiligung der Bürger wie z.B. bei einem Bauvorhaben oder bei der Wahl politischer Repräsentanten.
Doch der Bürger unserer Zeit will die Gesellschaft aktiver mitgestalten, das wissen wir spätestens seit Stuttgart 21. Mobiles Internet und Web 2.0 erlauben ihm einen bislang unbekannten Grad an Informationen, Vernetzung und Mitsprache und bieten so einen unkonventionellen Weg der Partizipation. Noch nie zuvor hatten die Bürger so mächtige Werkzeuge zur aktiven Mitgestaltung und Mitbestimmung.
Chancen
Sowohl die Repräsentative Demokratie als auch die Immobilienwirtschaft können Partizipation mitunter als Bedrohung empfinden. Die Politik bangt um ihren Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen und die Immobilienwirtschaft fürchtet die Behinderung von Bauvorhaben und kostenintensive Prozesse. Doch bietet Partizipation für beide große Chancen:
Integration: Vorhaben, an denen die Betroffenen mitwirken, erlangen eine weitaus größere Akzeptanz, als solche, bei denen die Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt werden.
Werthaltigkeit: Bürger und Nutzer, die eng in eine Objektentwicklung wie z.B. die Planung einer Parkanlage mit eingebunden werden, identifizieren sich mit dieser in hohem Maße. Interaktive Beteiligungsprozesse nehmen den Bürger in die Pflicht und fördern die Eigeninitiative.
Kundenbindung: Interaktive Beteiligungsprozesse eröffnen durch eine enge Kundenbindung neue Vertriebskanäle. Die Immobilienwirtschaft kann sehr viel über Ihre Kunden und deren Bedürfnisse lernen.
Neuorganisation
Analog zur Entwicklung der globalisierten Wirtschaft, in der sich neue Organisationsstrukturen als Reaktion auf den raschen Wandel der Märkte entwickelt haben, verlangen auch die interaktiven Prozesse der Partizipation neue Organisationsstrukturen und ein anderes Selbstverständnis der beteiligten Akteure.
Hierarchien werden ähnlich wie in der Wirtschaft von gegenseitiger Rücksprache und verstärkter Gleichstellung abgelöst. Als Gegengewicht zur institutionalisierten Macht der Politik und Wirtschaft organisieren Bürger Ihre Initiativarbeit in kleinen, autonomen, vernetzten Gruppen. Politiker, Bauherren und Planer geben Ihre „Macht“ zugunsten einer professionellen Kooperation mit den Bürgern auf.
Professionelles Management
Für das Gelingen des partizipatorischen Prozesses ist ein professionelles Management notwendig, dass verschiedene Aspekte beherzigt: Eine umfassende und transparente Informationsbasis, klare Spielregeln für den Umgang miteinander sowie die Beherrschung kreativer Moderationstechniken, mit denen es gelingt, das kreative Potential der Beteiligten anzuzapfen und Konflikte konstruktiv zu bewältigen.
Partizipation in der Landschaftsarchitektur
Als Landschaftsarchitekten und Stadtplaner geht uns Partizipation unmittelbar etwas an, denn Freiräume, Quartiere oder Städte haben eine hohe Bedeutung für die Bevölkerung. Als Landschaftsarchitekten werden wir somit zu partizipatorischen „Frei“- Raumplanern, die auch das soziale Umfeld im Blick haben. Wir sind Berater und Moderator in einem Prozess, der auf der Eigeninitiative der Bürger gründet. Uns kommt es darauf an, das Verhältnis zwischen Planer und Bürger zu verbessern. Wir wollen funktionierende und durchschaubare Kommunikationsstrukturen aufbauen und motivieren die Bürger zu Selbstinitiative und aktiver Mitwirkung.
Viele unserer Projekte werden zwischenzeitlich von professionell moderierten Bürgerbeteiligungsprozessen begleitet. Diese Herangehensweise verwendeten wir bei der städtebaulichen Neuordnung des Konversionsareales Prinz-Eugen Kaserne in München und bei der Erweiterung der Parkanlage Killesberg in Stuttgart sowie der angrenzenden Quartiersentwicklung Forum K. In großen moderierten Informationsveranstaltungen und Workshops wurden hier die Bürger aktiv eingebunden. Wir sind davon überzeugt, dass zukünftig Bürgerbeteiligung noch viel umfassender betrieben wird.
Als Landschaftsarchitektur- und Stadtplanungsbüro verstehen wir Partizipation als eine spannende Herausforderung, die uns und der Immobilienbranche die Chance gibt, viel enger in Kontakt mit den letzlichen Nutzern unserer Produkte zu treten, als dies je möglich war.


