Angoulêmeplatz, Hildesheim

Angoulemeplatz, Hildesheim

Bei dem beschränkten Wettbewerb zur Neugestaltung des Angoulêmeplatzes in Hildesheim wurde der Betirag von Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten mit dem 2. Preis ausgezeichnet. Gegenstand des Wettbewerbs war die Entwicklung eines urbanen Freiraumkonzepts für den Angoulêmeplatz sowie die Definition der Anschlusspunkte der tangierenden Straßen.

Der Angoulêmeplatz, in seiner Historie benannter „Bankplatz“  als Vorplatz für eine- auch heute ansässige- Bank entstanden, stellt als der einzige Stadtplatz zwischen dem im Norden gelegenen Bahnhof und dem Hohen Weg als Fußgängerzone und Haupteinkaufsstraße ein Bindeglied im städtebaulichen Kontext der Stadt Hildesheim dar.

Fehlt zum jetzigen Zeitpunkt eine klare Orientierung im  Bereich vom Bahnhof zur Hildesheimer Innen- bzw. Altstadt, so führt eine neue Bodentextur den  Besucher entlang der Bernwardstraße – über den Angoulêmeplatzes in Richtung der neu gestalteten Fußgängerzone. Hierbei wird der Teppich der Fußgängerzone fortgeführt, der als einheitliches Element den Weg führenden Rahmen für die einzelnen Platzsituationen, insbesondere den Angoulêmeplatz, bildet.

Der Entwurf betrachtet den Angoulêmeplatzes als Drehpunkt – vom Bahnhof in die Innenstadt – vom Bahnhof zur Fachhochschule – und zum Amtsgericht. Die Bernwardstraße stellt hierbei die zentrale Verbindungsachse dar. Vom Bahnhof wird man über einen „roten Teppich“ in die Bernwardstraße geführt. Dieser Teppich setzt sich als Fußgängerzone fort, an dem nun Plätze wie der Angoulêmeplatz und der Platz an der Kaiserstraße angelagert werden.

Die Fußgängerzone erhält eine klare Zonierung, die sich wie folgt aufteilt:
-        Traufbereiche am Gebäude als vermittelndes Element
-        Gehwegflächen
-        Funktionsstreifen (Aufsteller, Bäume, Fahrradbügel, Bänke, etc)
-        Fahrbereich (für den Anlieferungsverkehr, Radfahrer, ggf. Anwohner)
Diese Zonierung folgt der bereits vorhanden, neuen Fußgängerzone und führt die Konzeption als einheitliches Bild bis zum Bahnhof fort.

Der neue Angoulêmeplatz bildet durch die Gebäudekanten eine Dreiecksform aus. Er setzt das Bankgebäude wieder in Szene und nimmt so den historischen Bezug auf. Zur Überwindung des vorhandenen Höhenunterschiedes wird eine Treppe bzw. eine seitliche Rampenanlage ausgebildet, die dem Gebäude als Podest dient.  Die Linde vor dem Gebäude bleibt erhalten und prägt das Platzensemble neben den Bäumen (Gleditsien)  in den anliegenden Straßen.

Als Bankplatz bekannt erhält er nun in Anlehnung daran zwei lang gestreckte Bänke, breite Natursteinelemente mit changierender Holzauflage. Diese laden zum Verweilen ein, erzeugen aber auch mit integrierten Lichtbändern einen indirekte Ausleuchtung in der Nacht.

Als zweites prägendes Element wird eine Brunnenschale auf dem Platz angeordnet. In Verbindung zu der  namensgebende Stadt Angoulême, die u.a. bekannt für die Papierherstellung ist, nimmt man ein Blatt Papier und drückt es in seiner Mitte nach unten.  Es entsteht eine Schale, die im Entwurf als Wasserbecken umgesetzt wird. Eine flache Schale, die wahlweise mit Fontänen ausgestattet sowie illuminiert werden kann. Durch einen Projektor können von unten Lichter und Bilder auf die Schale  projiziert werden, so dass man in den Genuss z.B. der großen weiten Comicwelt kommen kann, eine Reminiszenz an das Comicfestival von Angoulême. Durch seine zurückhaltende Gestaltung bietet der Platz vielfältige Möglichkeiten der temporären Nutzung. Märkte und Ausstellungen können auf dem Platz stattfinden.

Der nächste Platz auf den Weg in die Fußgängerzone folgt nun auf der Kaiserstraße – gleiche Oberflächenstrukturen verbinden die Straßenseiten miteinander, bilden ein Gelenk zwischen beiden Flaniermeilen. Hierbei unterscheidet der Entwurf jedoch in einen eingefärbten Asphalt und Granitplatten. Die vorhandene Fußgängerunterführung wird zurückgebaut, um eine klare Fläche zu erhalten.

Die Materialien und Ausbauweisen lehnen sich an die bereits eingesetzten Materialien in der neugestalteten Fußgängerzone ab. Zum Einsatz kommen Granitplatten in warmen gelb-braunen Farbnuancen in den entsprechenden Formate und Kleinsteinpflaster in Rundbogenbauweise.

Auch die Ausstatungselemente orientieren sich an dem vorhandenen, um eine einheitliches Gesamtbild zu erhalten. Das Unesco Weltkulturerbeband fungiert als Leitsystem – hier könnte alternativ die durchgängige Seite der Bernwardstraße aus großformatigen Granitplatten mit Lichtschienen und der Leuchte VEXO gestaltet werden. Die gewünschten 10 Stellplätze für die Bank werden zurückhaltend an der Ostseite des Platzes angeordnet, einzig durch Markierungen auf dem Belag sichtbar. Die Stellplätze bleiben außerhalb der Öffnungszeiten durch Poller abgeschlossen, so dass sich in den Abendstunden und am Wochenende der Platz  ungestört präsentieren kann.

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